Senior Mediaberater Marko Lefert über die Radioentwicklung. Foto: Shutterstock
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Ein Blick in die Zukunft: Die Radioentwicklung im Jahr 2025

Den magischen Blick in die Zukunft würde jeder von uns mal gerne werfen. Besonders für Unternehmen wäre ein solcher Ausblick vermutlich Gold wert. Anhand der aktuellen ma Radio lassen sich oftmals bereits erste Tendenzen erkennen, doch wir haben uns noch einen Schritt weiter gewagt. Wie würde die Radioentwicklung im Jahre 2025 wohl aussehen? Wir trauen uns einen genaueren Blick in die mögliche Zukunft!

In der letzten Zeit hatten es die klassischen Medien, durch den neuen Konkurrenten „Online“ und die damit verbundene Digitalisierung, nicht leicht. Und auch in der Zukunft werden weitere Veränderungen kommen.

Wir haben die aktuellen Trends weitergesponnen und uns dabei Hilfe von Marko Lefert, Senior Mediaberater beim more Marketing, geholt.

Senior Mediaberater Marko Lefert über die Radioentwicklung. Foto: Thomas Pritschet / more Marketing

Herr Lefert, wie wird sich ihrer Meinung nach das Medium Radio in den nächsten 7 Jahren verändern?

Marko Lefert: Spannende Frage, deren Beantwortung aus meiner Sicht nur mit Blick auf die sich grundsätzlich verändernden Mediennutzung erahnen lässt. Natürlich wird die Digitalisierung weiter voranschreiten und diese Entwicklung macht auch vor Radio nicht halt. Als Beleg taugt hier die aktuelle MA IP Audio: Die hier ausgewiesenen Online Audio Angebote verzeichnen inzwischen monatlich knapp 260 Mio. Sessions! Interessant dabei finde ich aber insbesondere, dass fast die Hälfte auf Simulcast und damit auf die UKW-Radioprogramme entfällt, die lediglich via Stream gehört werden. Dies ergibt übrigens einen überproportionalen Zuwachs von 13%.

Auch im Digitalisierungsbericht der Medienanstalten 2016 zeichnete sich die Veränderung des Radioempfangs in Deutschlands bereits ab. Neben der steigenden DAB Nutzung wächst auch die Bedeutung des Internetradios rasant.

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Sind Internet-Streamingdienste (wie z.B. Spotify) zukünftig ein ernstzunehmender Konkurrent?

Marko Lefert: Ich gehe davon aus, das die Nutzung von Streamingdiensten weiter zunehmen wird. Und hohe Reichweiten in jungen Zielgruppen sind für Werbekunden durchaus spannend, keine Frage. Dabei sollte man jedoch nicht vergessen, dass die Streamingdienste auch einen großen Schwachpunkt im Gegensatz zum Radio haben. Sie dienen nicht zur Information und bieten daher neben dem Musikhören keinen weiteren nennenswerten Mehrwert. Und wenn es um regionale Reichweiten geht, führt auch in den kommenden 7 Jahren kein Weg an Radio vorbei, da bin ich mir sicher. Es wird wichtig sein, unseren Hörern mehr relevante digitale Audioinhalte anzubieten und sie somit verstärkt an unsere Marken zu binden bzw. die jungen Hörer an unsere Sender heranzuführen. Denn durch die stetige Erhöhung des Datenvolumens in Mobilfunkverträgen und den stetigen Ausbau der Netze bieten sich zukünftig vermehrt Gelegenheiten auch außerhalb der WLAN-Reichweite Audioinhalte zu streamen.

Wie wird das Radio sich gegen diese Konkurrenz durchsetzen?

Marko Lefert: Wie bereits erwähnt darf der digitale Aspekt nicht außer Acht gelassen werden. Trotzdem sollten sich die Medien, auch das Radio, auf ihre Stärken besinnen. Radio ist im Vergleich zu vielen anderen Medien z.B. viel aktueller. Es geht dabei aber auch darum Audio (also Radio und Online) Angebote zu schaffen, um so die Reichweite beizubehalten und sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Mittelfristig wird sicher auch stärker über eine Personalisierung des Radios nachgedacht werden.

Wird es in der Zukunft Auswirkungen auf die Werbung geben? Wie wird sich der Werbemarkt entwickeln?

Marko Lefert: Hier zeichnet sich nach der Halbjahresbilanz 2017 von Nielsen eine spannende Entwicklung ab. Demnach reduzieren erste Branche ihre Onlinebudgets zum Teil drastisch und investieren wieder verstärkt in klassische Medien. Dennoch  denke ich, dass sich der Social-Media-Trend der letzten Jahre weiter fortführen wird.

Als Marketingleiter muss man sich aber mehr denn je die Frage stellen, welcher Kanal die gesteckten Ziele effizient und mit relevanten Reichweiten unterstützen kann. Hier sehe ich auch in den kommenden Jahren eine hohe Daseinsberechtigung für Radio, das nach wie vor täglich von ca. ¾ aller Deutsche gehört wird. Zudem ist Radio mit sehr wirtschaftlichen Tausend-Kontakt-Preisen absolut konkurrenzfähig und hat in diversen Studien ausgezeichnete Werbewirkungsnachweise erbracht.  Nicht zuletzt auch deshalb konnte die Gattung den Anteil am Werbemarkt in den letzten Jahren sogar leicht ausbauen.

Wird Onlinewerbung bei Radiosendern an Bedeutung zunehmen? Und wird es beim Radio überhaupt einen Anschluss an die Digitalisierung geben?

Marko Lefert: Ja, definitiv! Ob verschiedene Werbeformen im Bereich Online Audio oder aber auch auf den Websites und Apps der Sender, auf denen wir ebenfalls für uns weiterhin spannende Entwicklungen & Potentiale sehen.

Beispielsweise sind Pre-Streams zunehmend häufiger ein Standard innerhalb einer Radiokampagne, weil sie allein durch die Nutzungssituation eine enorme Kontaktqualität bieten, mit der sie jede UKW Kampagne veredeln. Hinzu kommen die diversen Targetingmöglichkeiten, die die Effizienz steigern.

Hier liegt unsere Herausforderung eher darin, das vorhandene Inventar durch zusätzliche Channels wie beispielsweise unseren Tracklister zu erweitern, um die steigende Nachfrage bedienen zu können.

Auch für Senderwebsites zeigen sich noch weitere Potentiale, beispielsweise durch SEO basierten AdLink-Content. Für dieses Geschäftsfeld haben wir uns jüngst mit Michael Jahn und Patrick Tomforde von performanceLiebe kompetente Partner an die Seite geholt, die für uns den Bereich exklusiv vermarkten.

Welche Chancen sehen Sie für Radio in den nächsten 7 Jahren?

Marko Lefert: Wenn das Massenmedium Radio auch in der Zukunft auf die Weiterentwicklung, speziell im digitalen Bereich, setzt sehe der Zukunft durchaus positiv entgegen. Wichtig wird es sein, durch innovative, personalisierte Programmangebote auch die jungen Hörer weiter an unser  Medium zu binden und in der Vermarktung Themen wie Programmatic Buying, konvergente Angebote und digitales Inventar weiter voranzutreiben. Wir arbeiten mit Hochdruck an diesen Themen und freuen uns auf eine spannende Zukunft.



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