Markteintritt nördlich des Lakritz-Äquators: Die Skandinavier kommen nach Hamburg

Wem Klippan, Ivar und Gutvik etwas sagen, weiß, dass sie zum schwedischen Möbelriesen IKEA gehören. Doch wem sagen STADIUM, Clas Ohlson, Søstrene Grene, INDISKA oder HiFi Klubben etwas? Seit Kurzem versuchen skandinavische Unternehmen in die Fußstapfen des Erfolges von IKEA in Deutschland zu treten und haben Expansionskurs in unsere Richtung aufgenommen. Und Ausgangsstandort für alle ist? Hamburg!

Fotos: Clas Ohlson / more Marketing / Søstrene Grene

Im Gespräch mit Uta Schulz, Inhaberin von SveTys, einer interkulturellen Beratungsagentur, und Repräsentantin der Region Nord der Schwedischen Handelskammer in Deutschland.

Herausforderungen für Skandinavier in Deutschland

Uta Schulz - Inhaberin von SveTys, einer interkulturellen Beratungsagentur, und Repräsentantin der Region Nord der schwedischen Handelskammer in Deutschland.

Uta Schulz – Inhaberin von SveTys und Repräsentantin der Region Nord der schwedischen Handelskammer in Deutschland. Foto: Uta Schulz

Frau Schulz, was genau ist Ihre Aufgabe als Repräsentantin?

Uta Schulz: Als Teil eines dreiköpfigen Teams verantworte ich die Arbeit der Region Nord der Schwedischen Handelskammer, die in Deutschland ihren Hauptsitz in Düsseldorf hat. Wir sind Knotenpunkt für, in dem Fall, schwedische Handelsunternehmen, die nach Deutschland expandieren und Unterstützung benötigen und Netzwerkpartner suchen. Aktuell sind ca. 50 schwedische Unternehmen im B2C Bereich in Hamburg aktiv.

Was ist die Herausforderung für Skandinavier in Deutschland?

Uta Schulz: Auch wenn man vermutet, dass die Mentalität der Deutschen und der Skandinavier ähnlich ist, merkt man die Unterschiede besonders im Geschäftsgebaren – zumindest auf den zweiten Blick. Allein in der Art einer Unternehmensführung oder dem Verhalten des Marktes und der Käufer, gibt es weniger Gemeinsamkeiten, die dann wiederum eine Herausforderung für einen Markteintritt darstellen. Deutsche Käufer z.B. sind wesentlich preisorientierter und kaufen mehr nach Bedarf. Skandinavische Kunden dagegen sind designorientierter und kaufen eher aus Spaß an der Freude, einfach, weil etwas „trendy“ ist. Schwedische Kunden wiederum legen großen Wert auf ethisch einwandfreie Produkte, die nachhaltig und mit besonderer sozialer Verantwortung produziert wurden.

Hamburg als attraktiver Standort für den Markteintritt skandinavischer Handelsunternehmen

Warum entscheiden sich aktuell so viele skandinavische Unternehmen bei ihrem Markteintritt in Deutschland für Hamburg als ersten Standort?

Uta Schulz: Der Norden Deutschlands ist generell sehr skandinavienaffin. Viele Norddeutsche haben Urlaubserinnerungen an Dänemark oder Schweden. Süddeutsche fahren eher nach Österreich in die Berge oder nach Italien. Hamburger oder Norddeutsche, fahren häufig in ein Ferienhaus im Norden und möchten den skandinavischen Lebensstil dann gerne auch zu Hause pflegen.

Bietet Hamburg denn noch weitere Standortvorteile?

Uta Schulz: Hamburg ist ja eine alte Handelsmetropole. Die Verbindungen nach Dänemark und Schweden, ob mit dem Flugzeug, dem Schiff oder per Auto, sind gut und unkompliziert. Von Hamburg aus stehen einem die Optionen offen, „den Kontinent“, wie die Skandinavier so schön sagen, zu erobern.

Womit erklären Sie die Expansionen in Richtung Deutschland?

Uta Schulz: Unternehmen wie der Sportartikelhändler STADIUM oder auch der Haushaltsprofi Clas Ohlson sind in Schweden, und auch den angrenzenden anderen skandinavischen Nachbarstaaten, Marktführer. Wenn man expandieren möchte, muss man sich außerhalb dieser Grenzen bewegen um etwas zu erreichen. Somit war es klar, dass der Schritt irgendwann kommt. Und Deutschland grenzt dann gleich im Süden an Skandinavien, ist ein großes Land mit Umsatzkraft und viel Potential. Viele skandinavische Unternehmen haben zudem ein Konzept, das man so in Deutschland nicht kennt, wie z.B. Søstrene Grene aus Dänemark. Das bedeutet natürlich, dass der Kommunikationsbedarf recht hoch ist, das Potential aber ebenso.

Der Lakritz-Äquator

Kennen Sie den Lakritz-Äquator?

Uta Schulz [lacht]: Leider nein. Von der Weißwurst-Grenze habe ich schon gehört, vom Lakritz-Äquator aber noch nicht.

Man sagt der Lakritz-Äquator spaltet Deutschland ungefähr in der Mitte. Im Norden liebt man Lakritz, im Süden hat man Schwierigkeiten dies überhaupt im Supermarkt in einer gewissen Auswahl zu erhalten. Da haben wir Norddeutschen wohl doch was von den Skandinaviern übernommen…



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