Trends in der Medienbranche? Wir zeigen Ihnen wie Sie damit umgehen können. Foto: Stutterstock
Foto: Stutterstock

Trends in der Medienbranche und wie ich Ihnen begegne

Was ist ein Trend? Zur Definition des Begriffes „Trend“ habe ich bei Wikipedia einen guten Satz gefunden. Da Wikipedia aber nicht als stabil zitierfähig gilt, halte ich mich an den Satz aus dem Duden: „Eine besonders nachhaltige und tiefgreifende Entwicklung.“

Wobei der Duden in den 1870er Jahren auch als nicht stabil zitierfähig galt. Der Erste erschien 1872 und brauche ein gutes Jahrzehnt, bis man ihn als breit akzeptierte Grundlage der deutschen Sprache ansah. Also: Sogar der Duden war ein paar Jahre Trend – bevor er Standard wurde.

Ein schönes Beispiel für einen aktuellen Trend der Medienbranche sieht man jeden Morgen in der Hamburger U-Bahn: Wenn mein alter Herr früher mit der U1 in die Stadt fuhr, saßen etliche Fahrgäste mit ausgebreiteten Armen herum und lasen in der Zeitung Nachrichten wie zum Beispiel die letzte Überschwemmung des Fischmarktes.

Heute sind die Nachrichten noch da. Die U1 ist auch noch da. Mein alter Herr auch. Aber das Papierrascheln ist weg. Über den großen Wasserrohrbruch in der Innenstadt liest man auf seinem Smartphone. Der Medientrend ging also in diesem Fall von den gedruckten Zeitungen zu den Inhalten via Smartphone.

Sollten Sie Trends mitmachen?

Keine Ahnung, das kann man vorher doch nicht wissen. Hören Sie doch einfach auf Ihr Bauchgefühl und wagen Sie mal was. Nein, das rate ich Ihnen natürlich so nicht.

Besinnen Sie sich zunächst darauf, was Ihr Geschäft ist. Sind Sie Händler von Followern in sozialen Medien? Dann los: So viele wie möglich generieren! Falls das jedoch nicht Ihr Kerngeschäft ist, versuchen Sie nicht die Anzahl der Follower um ihrer selbst willen hochzudrücken. Verbessen Sie lieber Ihr Produkt soweit, dass Menschen durch diese Verbesserung sich veranlasst fühlen, Ihrem Produkt digital den erhobenen Daumen zu schenken.

Trends in der Medienbranche? Wir zeigen Ihnen wie Sie damit umgehen können. Foto: Stutterstock

Der Trend zu den sozialen Medien ist schon durch: die sind da. Ihre Kunden sind dort auch zu finden. Aber kein Bild eines erhobenen Daumens wird bei Ihnen etwas kaufen. Es sind die Menschen, die diese Daumen verteilen. Sorgen Sie also dafür, dass man Sie auch in der Welt der digitalen Daumen als Unternehmen findet, verlieren Sie aber niemals aus den Augen, was Ihr Geschäft befeuert: Menschen.

Lassen Sie sich also nicht verrückt machen. Vor einigen Jahren haben beim Stichwort „Trend“ nicht wenige „Second Life!“ geschrien. Etliche Unternehmen zerbrachen sich den Kopf darüber, wie man in der virtuellen Welt als Firma Präsenz zeigen müsste. Es herrschte mancherorts die Überzeugung, dass das eigene Geschäft über Bug sinken würde, wenn man sich in Second Life jetzt nicht breitbeinig einkauft.

Und jetzt? Second was? Der Fisch ist tot. Nicht alles was also als Trend mit Schmackes durch Ihre Bürotür walzen will ist es wert, dass Sie Ihr Budget dafür einsetzen.

Was kostet es Sie, wenn Sie Trends mitmachen?

Wenn Sie sich entscheiden haben, in der Medienbranche einem Trend zu vertrauen und sich dort als Unternehmen oder mit Ihren Produkten und Dienstleistungen zu zeigen, ist zu überlegen, wie weit Sie den nötigen Prozess in Ihrem Hause stattfinden lassen und ab welchem Punkt sie externe Dienstleister einkaufen. Ein einfaches Beispiel: Wer eine Anzeige schalten möchte, kann die Anzeige durch einen eigenen Grafiker erstellen lassen oder eine Agentur beauftragen. Wer einen Funkspot schalten möchte, kann sich ein Tonstudio basteln, sich einen Text schreiben und selber an Mikrofon stellen. Oder den Sender beauftragen, sich darum zu kümmern.

Komplexer wird es bei Medien die unentwegte Manpower erfordern, wenn man nicht scheitern möchte – das Beispiel Facebook zeigt, dass aus dem anfänglichen Antworten auf den einen oder anderen Post, (was dann irgendjemand mal eben nebenbei mit erledigt) eine gewaltige Aufgabe werden kann: Wie reagieren sie auf negative Kommentare? Wie nutzen sie den Kanal zur erfolgreichen Kommunikation Ihrer Angebote? Wissen Sie, wie das Image Ihres Unternehmens dort in eine gewünschte Richtung verändern können, die Ihnen letztendlich Umsatz bringen wird?

Wenn Ihr Unternehmen hier über „mal kurz was schreiben“ hinaus ist, aber noch nicht dort gelandet ist, dass Sie eine eigene Abteilung dafür bezahlen, sollten Sie diese Themen an Dienstleister übertragen, die wissen was Sie tun – da im Gegensatz zu Ihnen dort das Hauptgeschäft die Beschäftigung mit medialen Trends und deren erfolgreiches Handling ist.

Ist die Reihenfolge der Markteilnehmer wichtig?

Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Dieses alte Sprichwort ist politisch nicht korrekt aber in der Medienbranche öfters zu vernehmen. Wenn der eine oder andere Ihrer geschätzten Wettbewerber in einem Medium zu finden ist – sei es über Content oder über Werbebuchungen – gewöhnt sich der Kunde daran. Wer früher ein neues Auto kaufen sollte, hat in der Zeitung den Autoteil aufgeschlagen. Autohändler waren also gut beraten, dort zu inserieren: Der potenzielle Käufer hat dort schlicht erwartet, Angebote und Inhalte zu finden. Aus unseren Studien wissen wir, dass sich dieses Thema in den letzten Jahren auf Radiowerbung verlegt hat, mehr Befragte geben an die Werbung für Autos eher im Radio zu erwarten als in der Zeitung.

Wenn sich also ein Trend stabilisiert hat verliert man Potential, wenn man sich diesem zu lange entzieht und der Wettbewerb dort bereits etabliert ist.

Und zum Schluss: Der Trend ist ein Kreis.

Schmeißen Sie Ihre Infrastrukturen und entwickelte Kapazitäten nicht voreilig weg. In den letzten zwei Jahren war im hippen Café Filterkaffee die Krone der Hippness. Filter auf die Kanne, heißes Wasser per Hand eingießen, durchlaufen lassen. Wahn-sinn-iges-Aroma schallte es aus der urbanen Runde der tätowierten Bartträger.

Trends in der Medienbranche? Wir zeigen Ihnen wie Sie damit umgehen können. Foto: Stutterstock

Allerdings hat meine Oma Wilma in Hamburg-Dulsberg unter ihrer runden Neon-Küchenlampe den Kaffee bereits in den Siebzigern genauso hergestellt. Wenn ich also den Porzellanfilter noch hätte, könnte ich aus dem Stegreif an der Spitze der Coolness landen. Wobei ich hoffe, dass die gruselige Deckenlampe von Oma nicht wieder Trend wird.

Ihr Kaffeefilter ist vielleicht eine Fähigkeit im Unternehmen die nicht mehr in Mode ist aber, ohne groß Kosten zu verursachen, am Leben erhalten werden kann. Presswerke, die die Möglichkeit zur Herstellung der zwischenzeitlich totgesagten Vinylschallplatten bewahrt haben, arbeiten derzeit in Vollauslastung.

Medial müssen Sie sich immer wieder hervorheben, auffallen, sichtbar einzeln positionieren und Anderen voraus sein: Wer weiß – vielleicht sehen wir ja demnächst an den trendigen, kleinen Geschäften wieder von Hand gestaltete Emaille-Schilder mit Reklame. Wundern würde es mich nicht …

Darauf einen Filterkaffee. Für mich schwarz, bitte. Und für Sie?

Andreas Hahn-Heinrichs

Senior Mediaberater / Branchen: Garten & Baumärkte, Juwelier, KFZ, Parteien

Telefon: 49 (0) 40 82 22 78-477



Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über die aktuellen Themen und Trends der Hamburger Medien- und Marketingbranche.
Abonnieren Sie ganz einfach unseren kostenlosen Newsletter.

Jetzt anmelden!